4th - Okt - 2017

Was Marketer über RCS wissen müssen

Graphic of speech bubbles reading 'Hi' and 'Yes' next to each other

Als Kanal für Marketing und Kundenbindung sind die konkurrenzlose Allgegenwärtigkeit, die Zuverlässigkeit und die Nutzungsquoten von SMS kaum schlagen. In den jüngsten Jahren bot das Textmedium jedoch wenig in puncto Innovation, um das Interesse von Marketern zu wecken, die nach einem reicheren Consumer-Engagement suchen.

Irgendwann sah es so aus, als würde mit MMS ein kreatives Upgrade geboten werden. Jedoch setzte sich MMS aufgrund technischer Komplexität, Fragmentierung und Kosten nicht durch und blieb auf der Strecke.

Bei Marken und Unternehmen besteht jedoch immer noch eine deutliche Nachfrage nach einem verbesserten Messaging-Service. Einer kürzlich durchgeführten Ovum-Studie zufolge sagen 37% der Unternehmen aus, dass sie mehr SMS-Nachrichten senden würden, wenn ihnen neue Features wie Custom-Branding, die Übermittlung angereicherter Inhalte und Lesebestätigungen zur Verfügung stehen würden.

Im reifen Alter von 25 Jahren bekommt die bescheidene Textnachricht jetzt endlich das reichere, interaktivere Make-over, das alle Marketer anstrebten.

Was ist RCS?

Der Rich Communications Service von Google oder besser bekannt als RCS, der oft als SMS 2.0 angekündigt wurde, bereichert SMS im Wesentlichen mit vielen der Funktionen, die mit Messaging-Apps wie Facebook Messenger, Apple iMessage und WhatsApp verknüpft sind.

Die Markteinführung von RCS ist noch für dieses Jahr geplant, und das System ermöglicht Unternehmen, mit Verbrauchern mithilfe von Farben, Bildern, Video- und Audio-Inhalten zu interagieren. Darüber hinaus bietet RCS auch Chatbot-ähnliche Echtzeitinteraktion sowie die Fähigkeit, automatische Nachrichten zu versenden, was das Customer-Engagement ungeachtet der Uhrzeit reaktionsfähiger macht.

Eine Nachricht Ihrer Airline, die Sie daran erinnert, den Check-in für einen Flug zu erledigen, kann nun von den Vorteilen reichhaltiger Medien und Interaktivität profitieren, um ein komplettes Check-in-Erlebnis zu bieten, mit Boardingpass, visuellen Flug-Updates und Terminal-Plänen auf Anfrage, direkt in der Nachricht.

Mit RCS können Marketer zudem auch sehen, wann und wie eine Person mit ihrer Nachricht interagiert hat, da eine Fülle von Daten zur Verfügung gestellt wird, anhand derer sich das Kundenverhalten besser verstehen lässt und die Kommunikation optimiert werden kann.

Die Nachrichtenzustellung und die Lesebestätigungen ermöglichen Ihnen, das Verhalten des Kunden zu verstehen, was zusammen mit leistungsstarken Reporting-Tools Ihre zukünftigen Kampagnen verbessern wird.

Wie bekommen Verbraucher Zugriff auf RCS?

RCS-Nachrichten werden über eine neue, native Android-Messaging-App mit dem Namen Android Messages zugestellt. Der Service ist nur über Mobilfunkanbieter verfügbar, die RCS bereits integriert haben, wie Vodafone, Orange und Sprint.

Wichtig ist es jedoch auch zu verstehen, dass die RCS-Nutzung bei Mobiltelefonen weiterhin relativ gering ist und Marken und Unternehmen daher eine Kombination aus RCS-Business-Messaging und SMS nutzen müssen, um den gesamten Kundenstamm zu erreichen.

Jedoch entscheiden sich jeden Monat mehr und mehr Anbieter für diese Lösung und wichtige Marken wie Subway, Virgin Trains und Sky testen und entwickeln bereits RCS-Kampagnen, die bereit für die Lancierung sind. Deswegen wird RCS sicherlich sehr bald erheblich in Schwung kommen.

Darüber hinaus vereinbarte Google bereits mit einer Reihe von Mobiltelefonherstellern wie Sony, Nokia und Motorola, dass diese bald Geräte ausliefern werden, in denen Android Messages bereits installiert ist.

Wie sieht es mit der Integration mit iMessage von Apple aus? Obwohl noch nichts bestätigt ist, liegt es sicherlich im langfristigen Interesse von Apple, RCS zu integrieren. Bleiben Sie am Ball.

Könnte RCS das Todesurteil für SMS oder Apps bedeuten?

Die Totenglocke für SMS läutete in den jüngsten Jahren immer lauter, insbesondere da die Nutzung von SMS durch die Verbraucher seit der Einführung von OTT-Messaging-Plattformen wie WhatsApp rapide gesunken ist.

Wie Phönix aus der Asche verzeichnen jedoch die SMS erneut Zuwachsraten. Zu verdanken ist das der geschäftlichen Nutzung von Application-to-Person-Messaging (A2P), wobei Ovum prognostiziert, dass Unternehmen 2019 1,28 Billionen Nachrichten pro Jahr versenden werden.

Wird RCS somit den letzten Nagel auf den Textnachrichtensarg schlagen? Ich glaube nicht. Sicher, Marketingbudgets werden rechtzeitig von SMS zu RCS wechseln, aber wenn Verbraucher Android Messages nicht haben oder über keine anständige Datenverbindung verfügen, wenn eine dringende Nachricht übermittelt wird, wird SMS stets diese lebensnotwendige Ausfallsicherung darstellen. Mit der steigenden Menge an Nachrichten, wird auch die Nutzung von SMS zunehmen.

Doch wenn RCS an Bedeutung gewinnt, kann das System seine Aufgabe zum gleichen Preis wie das App-Marketing erfüllen. Denn RCS verhält sich in jeder Hinsicht wie eine Marken-App, außer dass die Nachrichten dem Verbraucher zu einem Bruchteil der Kosten und des technischen Aufwands zugestellt werden können.

Ein weiterer Vorteil von RCS gegenüber Apps besteht darin, dass Messaging einen direkten und sofortigen Kontakt mit dem Kunden schafft, während Verbraucher bei Apps diese zuerst herunterladen und dann daran denken müssen, sie zu nutzen.

Wenn das RCS-Messaging später in diesem Jahr eingeführt wird, bietet es so oder so Marken und Unternehmen eine neue attraktive Art der Interaktion mit den Kunden und wird wohl den Goldstandard für das Messaging in den nächsten 25 Jahren bilden.

Autor: Rob Malcolm, VP Marketing & Online Sales bei CLX Communications

Ursprünglich veröffentlicht im Digital Marketing Magazine

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